1970–1979

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Die "Eselsmasken-Aktion" am 20.05.1978 in Hamburg (Foto: Alwin Meyer).
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Die "Eselsmasken-Aktion" am 20.05.1978 in Hamburg (Foto: Alwin Meyer).

Nachdem die NPD bei der Bundestagswahl 1969 knapp scheiterte, entstehen 1970 mit der „Aktion Widerstand“ radikalere Protestformen gegen die sozialliberale Regierung, insbesondere gegen ihre Ostpolitik. Neonazi-Gruppen verunsichern die Öffentlichkeit, und eine junge Generation besonders militanter Aktivisten bereitet sich auf Gewalttaten und Terrorakte vor. Der Holocaust wird aggressiver geleugnet als zuvor, Gedenkorte angegriffen, Zeitzeugen lächerlich gemacht. Andere Aktivisten erproben neue Wege. Die NPD-Parteijugend „Junge Nationaldemokraten“ produziert Schülerzeitungen, die sich dem Geschmack und den Lesegewohnheiten der jungen Generation anpassen. Fremdenfeindliche Stimmungslagen werden aufgegriffen. Vor allem in der zweiten Hälfte der 1970er begründen rassistische Lesarten der „Migrationsdebatte“ ein neues zentrales Kampagnenthema: Die „Ausländerfrage“.   

Die extreme Rechte und ihre Abwehr der Erinnerung. Die „Holocaust international“-Ausgabe der MUT aus dem Januar 1979.

Jahr
1979
Autor*innen
Quelle
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Titelblatt der Zeitschrift Mut mit Wasserzeichen "Indiziert"

Die Zeitschrift MUT radikalisierte sich im Lauf der 1970er-Jahre zu einer der wichtigsten Publikationen der rechten Szene. Die Januar-Ausgabe 1979, die auf die Ausstrahlung der TV-Serie Holocaust reagierte, wurde wegen Holocaust-Leugnung indiziert.

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Angriff auf die NS-Aufarbeitung:
Ein Flugblatt vom neonazistischen Kampfbund deutscher Soldaten

Jahr
1977
Autor*innen
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KDS-Flugblatt

Holocaustleugnung – das war der Kern der Aktionen des Kampfbundes deutscher Soldaten. Sein Gründer, der Neonazi Erwin Schönborn, versuchte seit 1975 mit einem provokanten Flugblatt, erinnerungskulturelle Debatten und KZ-Prozesse zu beeinflussen.

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Inszenierung des Unpolitischen:
Ein antisemitischer Artikel in der Zeitschrift Kommando der Wehrsportgruppe Hoffmann

Jahr
1979
Autor*innen
Quelle
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Titelseite Kommando 1 (1979), Nr. 2

Der militante Rechtsradikale Karl-Heinz Hoffmann argumentiert in einem Artikel der Zeitschrift seiner Wehrsportgruppe antisemitisch. Eineinhalb Jahre später ermordet einer seiner engen Vertrauten den im Artikel erwähnten jüdischen Verleger Shlomo Lewin.

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Amerikanische Propaganda in Deutschland:
Der NS Kampfruf, Gerhard Lauck und die NSDAP/AO

Jahr
1977
Autor*innen
Quelle
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Titelseite NS Kampfruf 23/1977

Ab 1973 publizierte der US-Neonazi Gerhard Lauck den NS Kampfruf. In Nebraska gedruckt, in Deutschland verbreitet, zeigt das Propagandablatt Herausforderungen des grenzüberschreitenden Rechtsextremismus und Tücken des amerikanischen Rechts auf Meinungsfreiheit auf.

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Neues im Köcher nationalistischer Methoden:
Die Schülerzeitung Der Pfeil

Jahr
1976
Autor*innen
Quelle
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Titelseite Der Pfeil 2/1976

Ab Ende der 1970er-Jahre setzten Rechte Schülerzeitungen in großem Stil als propagandistisches Mittel ein. Anhand der frühen NPD-Jugend-Zeitung Der Pfeil lassen sich neue Rekrutierungstechniken sowie das Verhältnis rechter Jugendlicher zu Medientrends und Popkultur aufzeigen.

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Renovierte Propaganda:
Thora Ruths Leserbrief „Die besseren Argumente“

Jahr
1973
Autor*innen
Quelle
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Titelseite La Plata Ruf

In einem Leserbrief fordert die 20-jährige Studentin Thora Ruth 1973 eine zeitgemäße Kommunikationsstrategie für die äußerste Rechte: Das politische Vokabular müsse sich verändern, um völkisches Denken in möglichst vielen Köpfen zu verankern.

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Vom „sexuellen Klassenkampf“:
Erich Johann Kernmayr und die „sexuelle Revolution“

Jahr
1970
Autor*innen
Quelle
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Zeitunsartikel: Erich Kern, Sex als Sprengstoff gegen die Gesellschaft
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Erich Kern [Pseudonym von Erich Johann Kernmayr], Sex als Sprengstoff gegen die Gesellschaft. Die politische Manipulation mit der Pubertät, in: Deutsche Wochen-Zeitung, Nr. 3, 16.1.1970, S. 5.

Erich Kern (alias Erich Johann Kernmayr) kritisiert den Wandel der Sexualnormen um 1970 als erfolgreiche Strategie der Neuen Linken, Sexualität als Mittel im Klassenkampf zu nutzen. Deren Ziel sei es, die Gesellschaftsordnung zu zerstören.

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Der Aufstieg der Holocaustleugnung:
Thies Christophersens Die Auschwitz-Lüge

Jahr
1973
Autor*innen
Quelle
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Titel Auschwitz-Lüge mit Wasserzeichen "Indiziert"

Die Verharmlosung der NS-Verbrechen, insbesondere des Holocaust, steht bis heute im Zentrum rechtsradikaler Weltanschauung. Christophersens Die Auschwitz-Lüge ist ein frühes Schlüsseldokument der Holocaustleugnung, die ab den 1970er-Jahren eine neue Dynamik entwickelte.

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Der Beginn des Rechtsterrorismus:
Mordversuch am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin

Jahr
1970
Autor*innen
Quelle
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Bekennerschreiben der Europäischen Befreiungsfront abgedruckt im Berliner Extra-Dienst

Am 7. November 1970 schießt der Berliner Neonazi Ekkehard Weil auf den sowjetischen Wachsoldaten Ivan Shcherbak. Ein Bekennerschreiben markiert die Tat als Auftakt zum organisierten Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik.

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